Seit genau 2 Wochen sind wir nun in Adelaide, seit einer halben Woche arbeite ich in einem indischen Restaurant, drei Querstraßen vom Strand in Glenelg entfernt und seit einer Stunde sitze ich alleine im Hostel, die nächsten 1 1/2 Monate lang.
Mein Job ist etwas seltsam, wie ich finde. Nach einer Absage letzten Dienstag bekam ich Mittwoch Morgen eine sehr seltsame und spontane
Zusage als Kellerin in einem Restaurant. Bevor es jedoch an die
eigentliche Arbeit ging, musste ich noch mit meinem neuen
Arbeitskollegen eine Wand der Außenfassade streichen. Donnerstag Abend
durfte ich dann das erste Mal kellnern. Es ist alles irgendwie ähnlich und doch grundverschieden.
Nicht dass es jetzt einen großen Unterschied macht, ob man in einem
italienischen Restaurant arbeitet oder in einem Indischen. Es ist eher
die Sprache und die peinlichen Pausen gegenüber Gästen, in denen mir die
bestimmten Wörter fehlen. Mir kommt es fast so vor, als würde ich gerade erst wieder von Anfang an starten müssen.
In Australien sind wirklich alle nett zu einem.
Wenn du mit einer Karte an einer Straßenkreuzung stehst und dich
verzweifelt auf deutsch unterhältst oder nur etwas verwirrt
dreinblickst, drehen sich die Menschen sofort zu einem um und fragen, ob
sie weiterhelfen können. In meiner Arbeit ist das ähnlich, nur viel ausgeprägter.
Mein 23-jähriger Arbeitskollege, der mich wegen meines Lebenslaufes
angerufen und eingestellt hat, holt mich so oft wie möglich von der
Innenstadt ab, fährt mit mir zur Arbeit und anschließend wieder nach Hause. Obwohl das ein wirklich großer Umweg ist und dass schon einmal bis zu 45 Minuten dauern kann. Er hat die Angewohnheit mich immer und überall einzuladen: "In Australien isst oder trinkt niemand alleine.",
ist seine Erklärung dafür. Meine Chefin überhäuft mich mit Essen, das
ich mit nach Hause nehmen darf, obwohl im Restaurant wirklich nicht sehr
viel los ist und sie es sich meiner Meinung nach gar nicht leisten
kann. Womit wir bei der Sache sind, die mich am meisten misstrauisch
stimmt: die Bezahlung. Es wird nie von einem genauen Gehalt, dass
ich pro Stunde bekommen sollte, gesprochen. Der Standtartsatz: "Wir
zahlen dir so viel, dass du deine Miete für's Hostel/ Zimmer zahlen
kannst, du rechnest dir aus, wieviel zu pro Woche ungefähr für Essen und
Busfahrten brauchst und wir geben dir dann noch etwas dazu, dass du für
Reisen sparen kannst."
Trotz alledem, glaub ich nicht wirklich, dass ich ausgenutzt werde. Mein Arbeitskollege mag mir vielleicht etwas zu nett erscheinen.
Er sieht sich für mich nach einem Zimmer in einer MädlsWG um, hat
versucht meinen Freundinnen Arbeit zu suchen und wird mich, nachdem
meine "Freundinnen" weg sind, nicht an Einsamkeit sterben lassen.
Bei meiner Chefin und meiner Arbeitskollegin jedoch kann ich mir nicht
vorstellen, dass sie mir etwas vormachen würden.
Ob ich meinen Lohn wirklich bekomme und ob es auch reicht, werd' ich wohl erst in einer Woche sehen. Nebenbei seh' ich mich trotzdem noch um andere, nähere Jobs um.
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