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Dienstag, 16. Oktober 2012

Der Trip ins Drecksloch und wieder zurück.

Nachdem wir freitags in Melbourne im Internetcafe saßen, bekamen wir im Traveljob unseres Hostels einen Job zugeteilt. Fruitpicking auf einer Farm im Innenland. 10$ die Unterkunft, 14$ pro Stunde für Weinreben schneiden und Knoblauch ernten. Da die eigentliche Check-Out Zeit bei 10 Uhr morgens lag und es längst 12 Uhr Mittags war, mussten wir extrem spontan nach einem Tag wieder auschecken, buchten unser Bus/ Zugticket und verließen unsere Unterkunft innerhalb einer Stunde Richtung Melbourne Stadtmitte. Um 18:17 verließ unser V-Line Zug den Hauptbahnhof. Die Zeit bis dahin vertrödelten wir mit letzten Erledigungen und dann im eiskalten Bahnhof selbst. Wir kamen gegen halb 1 Uhr morgens am Busbahnhof in Robinvale an. Danach warteten wir eine gute viertel Stunde bis uns endlich ein Asiate mit einem weißen Bus abholte und zu unserer „Unterkunft“ (oder wie wir später zu sagen pflegten: Drecksloch) brachte. Unser Zimmer war ein Container in dem 3 Hochbetten, ein schmaler Schrank und ein kleines Regal untergebracht waren. Von dem 5 cm hohen Dreck am Boden, den Käfern, Spinnweben und Spinnen die wir später erst entdeckten einmal abgesehen, war es besser als wir es uns zuvor noch ausgemalt hatten. Nachdem wir aber kein Bettzeug bekamen und es so aussah, als müssten wir ohne Kissen und Decken auf den verstaubten, womöglich 20 Jahre alten Schaumstoffmatratzen schlafen, konnten wir uns doch nicht mehr so gut mit dem Zimmer arrangieren. Auf die Frage des Asiaten „Everything cool?“, antworteten wir mit einem zögerlichen, langgezogenem „Yeeees …“. Wir packten schleunigst unsere Schlafsäcke aus, versuchten die Wände nicht zu genau zu inspizieren und vergruben uns so tief es nur möglich war mit den Klamotten, die wir schon über 15 Stunden trugen, darin. Bei Licht einschlafen (weil wir den Schalter nicht fanden) war für mich fast ein Ding der Unmöglichkeit.


Wir verbrachten den halben darauffolgenden Tag in unserem Container, bis jemand an unsere Tür klopfte. Draußen standen 5 Personen, von denen wir keine einzige kannten. Ein Mann mittleren Alters, der anscheinend ebenfalls zu den Arbeitern gehörte und ausnahmsweise kein Asiate war, berichtete uns, dass die beiden deutschen Mädchen, die vor uns abgefahren und gestern Nachmittag angekommen waren, heute Morgen schon wieder abgereist wären. Etwas schockierend für uns. Andererseits kein Wunder. Die „Zimmer“, wenn man sie denn so nennen durfte, waren grausam, aber im Vergleich zu den Duschen und WCs ein Paradies, in dem man sich gerne aufhielt. Die Duschen waren vergilbt von dem gelben Wasser, welches aus den Leitungen kam, die Vorhänge hangen verschmutzt von den Vorhangstangen. Überall fand man Käfer und Spinnen sowie Spinnennetze und Ameisenstraßen. In den Klos waren fast überall Pfützen auf den Böden, denn wenn man die Klospülung betätigte, kam das Wasser teilweise wie ein Wasserfall aus den Wänden. Unser ständiges Motto also: Augen zu und durch!
Das einzige Mädchen der übrigen 4 Personen vor unserer Tür stellte sich uns gleich als Caroline vor. Ich konnte mir kaum vorstellen, dass sie die Küche, geschweige denn die Badezimmer schon gesehen hatte. Alles in allem waren die Iren sehr nett und wir waren froh, sie als unsere „Nachbarn“ willkommen zu heißen. Außer uns waren schließlich nur die Asiaten da, die es anscheinend liebten im Dreck zu leben. Beim nachmittäglichen Einkauf deckten wir uns mit allem möglichen zu. Klopapier, sehr wichtig, weil nicht vorhanden, Plastikbesteck, Plastikteller und Plastikbecher. 3 Packungen Toast und Dosenfutter, da wir die Küche so gut es ging meiden wollten. Vor allem aber das Geschirr und die Elektorgeräte. Den Toast aßen wir sogar ungetoastet, da es nicht sehr appetitlich war, zu sehen, wie Käfer aus dem Toaster krabbelten. Die Iren taten es uns gleich. Ebenfalls Plastikgeschirr in den Tüten und eine Menge Fertigprodukte. Wieder zurück in der Pampa, verstauten wir erst einmal die ganzen Essensprodukte in unserem verstaubten Schrank und dann begann der Frühjahrsputz. Nina und ich klopften die Matratzen aus, während Sarah die ganzen Spinnweben und ihre Mitbewohner mit einem Besen entfernte. Ich wischte vieles mit Desinfektionstüchern ab und sprühte den Raum mit einem mitgebrachten Hygienespray ein. Wir kehrten den Boden und es war alles einigermaßen wohnlich. 
Am Abend wurden wir gefragt, ob wir Sonntag arbeiten wollten und wir sagten sofort zu. Dem Drecksloch durch Arbeit entflüchten - eine gute Idee. Die Iren sagten ebenfalls zu, am nächsten Morgen allerdings wieder ab, da sie die ganze Nacht nicht schlafen konnten. Wir hielten es genau eine halbe Stunde aus, dann kündigten wir. Weintrauben zählen bei 25ct pro Baum und beim Verzählen wieder von Neuem beginnen, war nicht das, was uns versprochen wurde. Wir warteten 2 Stunden auf unseren Abholdienst und waren wieder zurück. Caroline sprach uns an, wie die Arbeit gewesen sei und wir erzählten ihnen von unserer Kündigung und auch, dass wir vorhatten am nächsten Morgen wieder abzureisen. Sie teilten uns später mit, dass sie ebenfalls abfahren wollten. Wir konnten es kaum Abwarten zu flüchten, jedoch war Sonntag und wir hatten bereits alle Busse, die überhaupt fuhren, schon verpasst. Melanie half uns. Sie suchte eine Verbindung nach Adelaide und eine Telefonnummer für uns heraus. Wir riefen dort an und buchten für den nächsten Morgen einen Bus Richtung Adelaide. 

Nach einer abendlichen Wasserschlacht, zu der später noch die Iren hinzustießen, lagen wir dann lachend und müde in unseren Betten und schliefen irgendwann ein.

1 Kommentar:

  1. Das hat ja was von Straflager und Ausbeutung. Man nimmt ja immer was mit. Hmm. Aber so muss es ja wirklich nicht sein ;) Viel Glueck beim naechsten Versuch!!!!

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