Wir verbrachten den halben darauffolgenden Tag in unserem Container, bis jemand an unsere Tür
klopfte. Draußen standen 5 Personen, von denen wir keine einzige kannten. Ein
Mann mittleren Alters, der anscheinend ebenfalls zu den Arbeitern gehörte und
ausnahmsweise kein Asiate war, berichtete uns, dass die beiden deutschen
Mädchen, die vor uns abgefahren und gestern Nachmittag angekommen waren, heute
Morgen schon wieder abgereist wären. Etwas schockierend für uns. Andererseits kein Wunder. Die „Zimmer“, wenn man sie denn so nennen
durfte, waren grausam, aber im Vergleich zu den Duschen und WCs ein Paradies, in dem man sich gerne aufhielt. Die
Duschen waren vergilbt von dem gelben Wasser, welches aus den Leitungen kam,
die Vorhänge hangen verschmutzt von den Vorhangstangen. Überall fand
man Käfer und Spinnen sowie Spinnennetze und Ameisenstraßen. In den Klos waren
fast überall Pfützen auf den Böden, denn wenn man die Klospülung betätigte, kam
das Wasser teilweise wie ein Wasserfall aus den Wänden. Unser ständiges Motto also: Augen zu und durch!
Das einzige Mädchen der übrigen 4 Personen vor unserer Tür stellte sich uns gleich als Caroline vor. Ich konnte mir kaum
vorstellen, dass sie die Küche, geschweige denn die Badezimmer schon gesehen
hatte.
Alles in allem waren die Iren sehr nett und wir waren froh, sie als
unsere „Nachbarn“ willkommen zu heißen. Außer uns waren schließlich nur die Asiaten
da, die es anscheinend liebten im Dreck zu leben. Beim nachmittäglichen Einkauf deckten wir uns mit allem
möglichen zu. Klopapier, sehr wichtig, weil nicht vorhanden, Plastikbesteck, Plastikteller und
Plastikbecher. 3 Packungen Toast und Dosenfutter, da wir die Küche so gut es
ging meiden wollten. Vor allem aber das Geschirr und die Elektorgeräte. Den
Toast aßen wir sogar ungetoastet, da es
nicht sehr appetitlich war, zu sehen, wie Käfer aus dem Toaster krabbelten. Die Iren
taten es uns gleich. Ebenfalls Plastikgeschirr in den Tüten und eine Menge
Fertigprodukte. Wieder zurück in der Pampa, verstauten wir erst einmal die
ganzen Essensprodukte in unserem verstaubten Schrank und dann begann der Frühjahrsputz.
Nina und ich klopften die Matratzen aus, während Sarah die ganzen Spinnweben
und ihre Mitbewohner mit einem Besen entfernte. Ich wischte vieles mit
Desinfektionstüchern ab und sprühte den Raum mit einem mitgebrachten
Hygienespray ein. Wir kehrten den Boden und es war alles einigermaßen
wohnlich.
Am Abend wurden wir gefragt,
ob wir Sonntag arbeiten wollten und wir sagten sofort zu. Dem Drecksloch durch Arbeit entflüchten - eine gute Idee. Die Iren sagten ebenfalls
zu, am nächsten Morgen allerdings wieder ab, da sie die ganze Nacht nicht schlafen konnten. Wir hielten es genau eine halbe Stunde aus, dann kündigten
wir. Weintrauben zählen bei 25ct pro Baum und beim Verzählen wieder von Neuem
beginnen, war nicht das, was uns versprochen wurde. Wir warteten 2 Stunden auf unseren
Abholdienst und waren wieder zurück. Caroline sprach uns an, wie die
Arbeit gewesen sei und wir erzählten ihnen von unserer Kündigung und auch, dass wir vorhatten
am nächsten Morgen wieder abzureisen. Sie teilten uns
später mit, dass sie ebenfalls abfahren wollten. Wir konnten es kaum Abwarten zu flüchten, jedoch war Sonntag und wir hatten bereits
alle Busse, die überhaupt fuhren, schon verpasst. Melanie half uns. Sie suchte eine Verbindung
nach Adelaide und eine Telefonnummer für uns heraus. Wir riefen dort an und
buchten für den nächsten Morgen einen Bus Richtung Adelaide.
Nach einer abendlichen Wasserschlacht, zu
der später noch die Iren hinzustießen, lagen wir dann lachend und müde in
unseren Betten und schliefen irgendwann ein.
Das hat ja was von Straflager und Ausbeutung. Man nimmt ja immer was mit. Hmm. Aber so muss es ja wirklich nicht sein ;) Viel Glueck beim naechsten Versuch!!!!
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